Clinique Ste-Claire

Sierre · Gesundheit · 2016

Lage. Der Eingriff konzentriert sich auf den bisher als Rückseite des Bauwerks betrachteten Teil und berücksichtigt die unverbaubare Aussicht und Weite auf das Plateau von Crans-Montana, die diese Ausrichtung bietet. Dieser neue Blick auf den Ort enthüllt diese bislang kaum genutzte Qualität und erlaubt zugleich, die Durchsicht auf der Ost-West-Achse des bestehenden Hauptparks zu bewahren, dessen Charme und landschaftliche Qualitäten unbestritten sind.

Programm. Das Programm ist in drei identische Einheiten zu je 21 Zimmern gegliedert, grossteils im bestehenden Volumen verteilt, um die Wirkung der Erweiterung auf ein Minimum zu beschränken. Die Setzung des angebauten Volumens erlaubt die Einrichtung eines zentralen Erschliessungsrings, der sich weitet und so den Aufenthalts- und Gemeinschaftszonen Platz lässt. Im Erdgeschoss sind die öffentlichen Funktionen des Programms um zwei Aktivitätspole angeordnet: die Cafeteria und der Speisesaal, die je eine privilegierte Beziehung einerseits zum bestehenden Park und andererseits zu den Reben pflegen. Die Verteilung dieser beiden Einheiten um denselben Eingangs- und Erschliessungsapparat schafft eine Querbeziehung zwischen Park und Reben über einen intimeren, zurückgesetzten Hof.

Architektonischer Ausdruck. Sensibel für den denkmalpflegerischen Wert des Bauwerks entscheidet sich das Projekt für eine neutrale Materialität in mineralischem Verputz, im Respekt der Farbtöne und in der Kontinuität der horizontalen, reduzierten Fassaden der Klinik. So verbindet sich die Behandlung mit dem Alten und verleiht seinem Erbe einen erhöhten Wert, indem sie ihm neue Perspektiven eröffnet.

Energiekonzept. Die Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil des Projekts: Die Kompaktheit des hinzugefügten Volumens ist optimiert, indem das Potenzial der Flächen des Bestandsgebäudes maximal genutzt wird, was eine Einsparung von Boden und Energieverbrauch erlaubt. Diese Effizienz des Volumens, die thermische Qualität der Gebäudehülle, die Trägheit der eingesetzten Materialien, der Rückgriff auf ein leistungsfähiges Wärmeerzeugungssystem und eine kontrollierte Lufterneuerung erlauben es, die Wärmeverluste und damit den Energiebedarf des Baus zu minimieren. Im Sommer begrenzen ein Sonnenschutz aus Textilstoren und eine natürliche Belüftung der Räume über öffenbare Verglasungen die Sonneneinstrahlung und die Überhitzung des Gebäudes.

Struktur. Die Tragstruktur des angebauten Volumens besteht aus massiven Wänden und Decken in Stahlbeton. Das Erdbebenkonzept beruht auf der Nutzung der neuen tragenden Wände (Stahlbeton und Mauerwerk) als erdbebensichere Scheiben, bei gleichzeitiger Bewahrung möglichst vieler bestehender Scheiben (Mauerwerk und Beton). Der Vorteil des vorgeschlagenen Projekts liegt in der Ausrichtung aller neuen tragenden Wände. So kann jedes Element genutzt werden, um sowohl den neuen Anbau als auch das bestehende Gebäude zu stabilisieren. Durch die Wahl, den neuen Flügel nahe dem Massenschwerpunkt des Bestandsgebäudes zu setzen, erzeugt das Hinzufügen dieser Scheiben nur geringe Exzentrizität und erlaubt — mittels geeigneter Verbindungen mit den bestehenden Decken — die Stabilität des Ganzen zu verbessern und seinen Konformitätsfaktor zu erhöhen.

Atmosphäre. Die Neutralität der eingesetzten Materialien und die zahlreichen integrierten Stauräume erlauben den Bewohnern, sich die bereitgestellten Räume anzueignen und nach Belieben einzurichten. Eine Transparenz und Fliessfähigkeit zwischen dem Inneren der Zimmer und dem Aussen über den Balkon entsteht durch einen einheitlichen Holzbodenbelag, der ihnen eine warme Atmosphäre verleiht. Natürliches Licht wird in die Nasszellen geleitet durch den Einbau lichtdurchlässiger Glastüren, die selbst nach aussen orientiert sind, um die nötige Intimität bei ihrer Durchquerung zu sichern. Der Rücksprung im Grundriss, der sich aus dem Einfügen der Nasszellen in die Zimmer ergibt, erlaubt die Integration einer Nische, die eine Schreib-/Leseecke aufnehmen kann und den Zimmern so einen Eindruck von Grosszügigkeit und Vielschichtigkeit verleiht.