Maison Communale Sembrancher
MEMORIA FUTURA. „Memoria Futura“ oder „Erinnerung an die Zukunft“ fasst die Vision des Sanierungsprojekts der Gemeindeverwaltung von Sembrancher und ihres Anbaus zusammen. Dieser Leitspruch verkörpert das Bestreben, Erinnerungen für morgen zu schaffen, indem das Erbe von gestern aufgewertet wird. Er steht für die Verpflichtung, die Geschichte in die Zukunft des Gebäudes einzubinden und sicherzustellen, dass jedes restaurierte oder erneuerte Element zu einem werdenden kollektiven Gedächtnis beiträgt. „Memoria Futura“ ist das Wesen eines Projekts, das Vergangenheit und Zukunft untrennbar verbindet und einen Raum bietet, in dem die Geschichte weitergeschrieben wird.
DENKMALPFLEGERISCHER ANSATZ: RESPEKT UND AUFWERTUNG. Bei dieser Sanierung ist der denkmalpflegerische Ansatz von einem gewissenhaften Respekt vor den bestehenden Strukturen geprägt, bei gleichzeitiger Integration wesentlicher Verbesserungen für die heutigen Bedürfnisse. Das Projekt zielt darauf, den historischen Charakter der Gebäude aufzuwerten, mit Schwerpunkt auf der Restaurierung der ursprünglichen architektonischen Elemente und der Bewahrung der Proportionen und Materialien, die die Gemeinde kennzeichnen.
Der Eingriff an den Fassaden will schlicht und minimalistisch sein; er orientiert sich an einer getreuen Restaurierung, bei der die ursprünglichen Farbtöne und Texturen durch den Einsatz angepasster Techniken und Materialien wie mineralischer Putze zum Vorschein kommen, gewählt für ihre Verträglichkeit mit Ästhetik und Funktion des Gebäudes. Die Aussensanierungen sind so gestaltet, dass sie sich in die Ästhetik des Dorfes einfügen und die visuelle Authentizität sowie die Kohärenz mit dem umgebenden Ortsbild wahren.
Über die blosse Erhaltung hinaus strebt das Projekt danach, das Erbe subtil neu zu interpretieren und es mit zeitgenössischen Einfügungen in Dialog zu bringen. Dieser Ansatz ist besonders spürbar in der Behandlung der neuen öffentlichen Räume und der Arbeitszonen, wo die Veränderungen den sozialen Zusammenhalt stärken und die gemeinschaftliche Interaktion fördern sollen. Die konstruktiven Entscheidungen, von den Materialien bis zu den Methoden, folgen einer Strategie, die das Erbe der Vergangenheit und eine fortschrittliche Vision harmonisch ausbalanciert und sicherstellt, dass das Gebäude der Gemeinschaft mit derselben Integrität dient wie zu seinem Ursprung.
Das gesamte Projekt ist eine Feier der Vergangenheit von Sembrancher, eine Bekräftigung seiner Identität und eine Verpflichtung, sein Erbe in die Zukunft zu tragen. Es ist eine Sanierung, die sich nicht mit dem Bewahren begnügt, sondern danach strebt, das Erlebnis des Dorfes für Bewohner und Besucher zu überhöhen und zu bereichern, indem sie die Seele des Ortes respektiert und zugleich ein neues Kapitel seiner langen Geschichte schreibt.
TYPOLOGIE DER GESCHOSSE: FUNKTIONALITÄT UND ZUGÄNGLICHKEIT. Die Sanierung der Gemeindeverwaltung von Sembrancher und ihres Anbaus ist darauf ausgelegt, Funktionalität und Zugänglichkeit auf jeder Ebene zu optimieren, unter Respekt und Aufwertung des bestehenden Erbes.
Untergeschoss: Das Untergeschoss der Gemeindeverwaltung, in seiner historischen Nutzung bewahrt, beherbergt weiterhin den Burger-Carnotzet. Die zwischen dem Untergeschoss des Anbaus und jenem des Gemeindehauses geschaffene Verbindung erlaubt die Integration eines modernen Technikraums mit einer Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung, direkt an einen Technikschacht angeschlossen, der das Gebäude vertikal entlang des neuen Aufzugs durchquert, dessen Lage es geschickt erlaubt, die Niveauunterschiede zwischen den Gebäudeteilen zu bewältigen.
Erdgeschoss: Im Erdgeschoss wird der Raum neu eingerichtet, um Publikum und Mitarbeitende unter optimalen Bedingungen von Komfort und Zugänglichkeit zu empfangen. Das Gemeindehaus erhält seine historische räumliche Konfiguration zurück und sieht zudem seine WC neu platziert, um die Fassade freizulegen und einen zentralen Servicekern zu schaffen, der den Bewegungsfluss verbessert. Der Burgersaal im Anbau wiederum verfügt über einen eigenen Zugang mit einer normgerechten Rampe für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, was das Engagement des Projekts für Inklusion unterstreicht.
Obergeschoss +1: Das Obergeschoss, den Büros sowie Arbeits- und Sitzungsräumen gewidmet, folgt der Logik des Erdgeschosses, mit besonderem Augenmerk auf natürliches Licht und Nutzungsflexibilität. Die baulichen Veränderungen konzentrieren sich auf den Aufzugsschacht und die für die Erdbebenertüchtigung nötigen Anpassungen, unter weitestgehender Bewahrung der ursprünglichen Raumanordnung.
Dachgeschoss: Das Dachgeschoss, dem Lager und den Archiven vorbehalten, wird mit Sorgfalt behandelt, um die Eingriffe so gering wie möglich zu halten. Die Dämmung wird von innen verstärkt, um den energetischen Anforderungen zu genügen, ohne die Ästhetik des Dachs zu beeinträchtigen. Die Entscheidung, den Aufzug nicht bis ins Dachgeschoss zu führen, ist eine bewusste Wahl zur Bewahrung der Dachlinie und unterstreicht den Willen, die architektonische Integrität des Gebäudes in seinem Dialog mit dem Dorfbild zu respektieren.
Dieser geschossweise Ansatz zeigt den Willen, technische und funktionale Erfordernisse mit einer denkmalpflegerischen Sensibilität in Einklang zu bringen, und stellt sicher, dass die Gemeindeverwaltung und ihr Anbau den heutigen Bedürfnissen entsprechen und zugleich ihre Geschichte feiern.
MATERIALITÄT UND ATMOSPHÄRE: KOHÄRENZ UND DAUERHAFTIGKEIT. Das Sanierungsprojekt der Gemeindeverwaltung von Sembrancher und ihres Anbaus ist untrennbar mit einer Materialwahl verbunden, die Dauerhaftigkeit und eine zeitlose Ästhetik verkörpert. Die sorgfältige Auswahl der Materialien folgt einem ökologisch verantwortlichen Ansatz, der darauf abzielt, den ökologischen Fussabdruck zu verringern und zugleich die Funktion der Räume für die Nutzer zu verbessern.
Im Innern unterstreicht das Eichenparkett, gewählt für seine Widerstandsfähigkeit und Dauerhaftigkeit, den Willen zu Beständigkeit und Qualität. Dieses edle Material überdauert Generationen und gewinnt mit der Zeit an Schönheit; es verleiht den Räumen der Gemeindeverwaltung einen robusten und warmen Boden, der die Schritte von Besuchern und Personal aufnimmt. Sein extra-mattes Finish dämpft Reflexe und trägt so zu einer ruhigen, konzentrierten Atmosphäre bei, passend für eine Gemeindeverwaltung, in der Konzentration und Ruhe gefragt sind.
Die mit Kalk verputzten Wände, von leuchtendem Weiss, sind in der Masse durchgefärbt, was den Unterhalt erleichtert und sie gegen die Kratzer des Alltags widerstandsfähig macht. Dieser Ansatz erlaubt punktuelle und vereinfachte Ausbesserungen — eine wesentliche Eigenschaft für ein stark frequentiertes öffentliches Gebäude. Diese Materialwahl ist zugleich ein Bekenntnis zur Geschichte, ist Kalk doch ein traditionell in den lokalen Bauten verwendetes Material.
Für die Decken bietet die Verwendung leicht geweisster Fichte eine Textur und Farbe, die natürliches und künstliches Licht reflektieren und so die Helligkeit der Räume verstärken. Dieses für seine visuelle Leichtigkeit und seine beruhigende Wirkung gewählte Holz passt perfekt zu den Sitzungs- und Arbeitsräumen, in denen Klarheit des Denkens von zentraler Bedeutung ist.
Diese Materialentscheidungen sind nicht allein von Ästhetik und Ökologie bestimmt, sondern auch vom Willen, Atmosphären zu schaffen, die Wohlbefinden und Effizienz fördern. Die Kohärenz zwischen den in der Gemeindeverwaltung verwendeten Materialien sichert eine visuelle und funktionale Kontinuität und unterscheidet zugleich die beiden Räume subtil nach ihrer jeweiligen Nutzung. Die daraus entstehende Atmosphäre ist eine harmonische Mischung aus Respekt vor dem Alten und Umarmung des Neuen, die es den Gebäuden erlaubt, ihre reiche Vergangenheit zu erzählen und sich zugleich der Zukunft zuzuwenden.
ENERGIEKONZEPT: EFFIZIENZ UND MODERNITÄT. Das Energiekonzept verfolgt einen entschieden modernen Ansatz, der die Effizienz optimieren und zugleich die historische Ästhetik wahren will. Das Projekt integriert eine leistungsfähige Dämmung von Wänden, Böden und Dächern und wählt Materialien, die die Wärmebilanz deutlich verbessern und sich zugleich an die denkmalpflegerischen Zwänge halten.
Die Wände werden durch eine leistungsfähige Innendämmung verstärkt, etwa PIR-Alu für seine hervorragenden Dämmeigenschaften, bei minimaler Beanspruchung des Wohnraums. Die Fenster werden durch solche mit Holz/Holz-Rahmen und Dreifachverglasung ersetzt. Die Erdgeschossdecke erhält eine Dämmschicht aus EPS (expandiertem Polystyrol), überdeckt von einer hochreaktiven Fussbodenheizung, eingebaut in einen dünnen Trockenestrich (MDF-Platten, 20 mm, werkseitig gefräst mit integrierten Wärmeverteilleitungen), die eine gleichmässige Wärmeverteilung sichert. Das Dach wird mit einer Mineralwolldämmung zwischen den Sparren saniert, kombiniert mit einer erneuerten Abdichtung, um eine optimale und dauerhafte thermische Hülle zu gewährleisten, ohne das Gebäude erhöhen zu müssen.
Die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung steht im Zentrum der Energiestrategie; sie sichert eine einwandfreie Innenluftqualität und gewinnt zugleich die Wärme der Abluft zurück, um die einströmende Frischluft vorzuwärmen. Diese Lösung minimiert die Energieverluste und trägt zu einem gesunden Innenraumklima bei, das die Feuchtigkeit harmonisch reguliert.
Die Wärmeerzeugung erfolgt über einen Anschluss an das Fernwärmenetz, eine ökologische und wirtschaftliche Lösung, die lokale erneuerbare Ressourcen nutzt. Diese Wahl zeugt vom Engagement des Projekts für ein verantwortungsvolles Energiemanagement, das den CO2-Fussabdruck des Gebäudes senkt und eine stabile und dauerhafte Wärmequelle sichert.
Diese Massnahmen fügen sich in eine Gesamtvision von Energieeffizienz und Modernität ein und unterstreichen das Bestreben von Sembrancher, Respekt vor dem Erbe und technische Innovation für eine nachhaltige Zukunft zu verbinden.
STRUKTUR- UND ERDBEBENKONZEPT: SICHERHEIT UND INTEGRITÄT. Die strukturelle und erdbebentechnische Ertüchtigung der Gemeindeverwaltung von Sembrancher und ihres Anbaus ist ein entscheidender Bestandteil des Projekts; sie soll die Sicherheit und Integrität der Gebäude gegenüber seismischen Einwirkungen gewährleisten. Dieser strenge technische Ansatz beruht auf einer detaillierten Analyse der erdbebentechnischen und strukturellen Anforderungen und integriert innovative, das bestehende Erbe achtende Lösungen.
Die strukturelle und erdbebentechnische Ertüchtigung des Gemeindekomplexes von Sembrancher, bestehend aus dem Hauptbau und seinem Anbau, ist wesentlich, um deren Sicherheit und Integrität gegenüber seismischen Beanspruchungen zu gewährleisten. Dieses Vorgehen stützt sich auf eine sorgfältige Bewertung der strukturellen und erdbebentechnischen Bedürfnisse und integriert neuartige Methoden bei gleichzeitiger Bewahrung des baulichen Erbes.
Die Verstärkung der tragenden Wände nutzt Konsolidierungsstrategien, die die historische Ästhetik erhalten und zugleich ihre Erdbebenresilienz verbessern. Der Einsatz von Techniken wie Mörtelinjektionen verstärkt die Struktur, ohne ihr Erscheinungsbild zu beeinträchtigen. Die Übereinanderstellung der tragenden Wände des Bestandsgebäudes ist ein vom Projekt unverändert übernommener Vorteil. Zudem schafft das Aufbringen einer 12 cm starken Stahlbetonschicht auf den bestehenden Holzdecken ein Holz-Beton-Verbunddecken-System, das so die Verbindung mit den tragenden Wänden festigt.
Beim Anbau verlangen die Art seiner Sanierung und seine Einbindung ins Ganze ein spezifisches Verstärkungssystem. Der Bau einer seismischen Stahlbetonwand entlang seiner Fuge mit dem Hauptgebäude wirkt als Stabilitätspfeiler und verbindet die beiden Strukturen dank der erwähnten Verbunddecken.
Die Integration eines Aufzugsschachts aus Stahlbeton bringt einen doppelten Vorteil: Sie verstärkt die Struktur vertikal und verbessert zugleich die Zugänglichkeit. Dieser technische Ansatz sichert eine bessere Lastverteilung und stärkt den Zusammenhalt des Ganzen, indem er allen Nutzern den Zugang zu allen Ebenen erleichtert.
Insgesamt verbindet das für dieses architektonische Ensemble gewählte Struktur- und Erdbebenkonzept Innovation und denkmalpflegerische Bewahrung und setzt fortgeschrittene Techniken ein, um die Dauerhaftigkeit und Sicherheit dieser Gebäude in einem erdbebengefährdeten Alpenraum zu gewährleisten.
BRANDSCHUTZ: KONFORMITÄT UND PRÄVENTION. Die gewählte Brandschutzstrategie setzt auf eine modulierbare Kompartimentierung, entscheidend für den Erhalt der Multifunktionalität der Räume. Die gesteuerten Brandschutztüren sind ein zentrales Element dieser Taktik; sie sichern im Brandfall eine wirksame Trennung der vertikalen Fluchtwege, ohne den alltäglichen Verkehr oder die Zugänglichkeit zu behindern. Diese Logik erstreckt sich auf die Brandschutzvorhänge, die in der kritischen Situation die Schalter von den horizontalen Fluchtwegen abtrennen.
Dieser Ansatz sichert so die Sicherheit der Nutzer und bewahrt zugleich die architektonische Integrität und die vielseitige Nutzbarkeit der Räume und bietet eine praktische, den Brandschutznormen entsprechende Lösung. Der Holz-Beton-Verbundaufbau der Geschossdecken erlaubt eine optimierte Kompartimentierung zwischen den Etagen.
In Zusammenarbeit mit François Meyer.