Chez Olive

Martigny · Wohnen · 2024

Das Projekt umfasst die energetische Sanierung und den Umbau eines 1910 in Martigny vom Architekten François-Casimir Besson errichteten Herrschaftshauses. Ursprünglich in mehrere Wohnungen unterteilt, war das Haus in den 1960er-Jahren umgebaut worden, was seinen ursprünglichen Charakter beeinträchtigte. Der Eingriff zielte darauf ab, die Räume neu zu denken und dabei die architektonische Authentizität des Gebäudes zu wahren. Hauptziel war es, ein fliessendes räumliches Kontinuum um einen zentralen Kern zu schaffen, der die verschiedenen Räume des Tagesbereichs im Erdgeschoss verteilt und verbindet, und zugleich den heutigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Diese offene Grundrissorganisation maximiert die Verteilung des natürlichen Lichts, indem sie sich kreuzende Durchblicke zwischen den Räumen eröffnet.

Eine der grössten Herausforderungen bestand darin, die strukturellen Zwänge so zu bewältigen, dass diese räumliche Transparenz ohne sichtbare Elemente wie Stahlträger erreicht wurde, die die Reinheit der Volumen beeinträchtigt hätten. Die gewählte Lösung war eine in die Dicke der bestehenden Deckenbalken integrierte Lastabtragung, welche die Lesbarkeit der ursprünglichen Struktur erhält und die Authentizität des Ortes bewahrt. Alle prägenden architektonischen Elemente der Epoche wurden im respektvollen Umgang mit dem historischen Gebäude restauriert oder neu interpretiert. Die unstimmigen Eingriffe früherer Umbauten wurden entfernt, um den denkmalpflegerischen Charakter des Hauses aufzuwerten.

Die neue Innenaufteilung schlägt einen neu gedachten Tagesbereich im Erdgeschoss vor, in dem die Räume frei um den zentralen Kern ineinander übergehen und so eine visuelle Kontinuität und eine grosse Bewegungsfreiheit begünstigen. Diese Organisation lässt das Licht das gesamte Geschoss durchqueren und schafft den ganzen Tag über eine helle, offene Atmosphäre. Im Obergeschoss wurde der Nachtbereich behutsam neu geordnet, mit einer vollständigen Überarbeitung der Sanitärräume, unter Wahrung der bestehenden Volumen und des ursprünglichen Geistes. Schlichte, zeitlose Materialien wurden gewählt, um die Einfachheit und Eleganz der Räume zu unterstreichen. Die Wandprofile werden durch erhöhte Sockelleisten und überarbeitete Fensterleibungen zur Geltung gebracht, welche die gerundeten Stürze im Sinne der ursprünglichen Fensterrahmen hervorheben.

Die Schreinerarbeiten wurden einfach und zurückhaltend gestaltet, um die Reinheit der Räume zu bewahren, und das Treppenhaus aus massivem Stein wurde ohne sichtbaren Eingriff strukturell verstärkt. Schliesslich wurden moderne Einrichtungen wie Fussbodenheizung und Wärmedämmung dezent integriert, um den Komfort der Bewohner zu gewährleisten und zugleich die Seele dieses historischen Hauses zu respektieren.