Cure de Sembrancher
Dieses Pfarrhaus aus dem 18. Jahrhundert im Herzen des Dorfes Sembrancher beherbergt auf seinen Geschossen unterschiedliche Funktionen. Diese unscheinbare Tatsache zeugt von der Notwendigkeit, sich das bauliche Erbe wieder anzueignen, um es an die im Lauf der Zeit auftauchenden neuen Bedürfnisse anzupassen — darunter der Wechsel des Nutzungsprogramms eines Gebäudes. So soll sein erstes Geschoss, das lange Büros beherbergte, wieder zur Wohnung werden, diesmal jedoch aufmerksam für die Komplexität des zeitgenössischen Wohnens. Das Geschoss ist daher zwischen einer grossen 2,5-Zimmer-Wohnung und einem Studio aufgeteilt.
Der Eingriff besteht vor allem darin, die Besonderheiten des Gebäudes zu erkennen und zu bewahren und zugleich einen Wohnraum von einzigartiger Qualität durch seine Lage zu bieten. Die Wohnung nutzt daher die Fliessfähigkeit der Räume und die Reduktion der Materialien, um einen behutsamen Eingriff zu schaffen und ihr zugleich einen zeitgenössischen Charakter zu verleihen. Die Typologie begünstigt diese Annehmlichkeit, indem sie die Wiederaneignung und Aufwertung der Enfiladen erlaubt. So gelingt es ihr, jeden rein erschliessenden Raum durch bewohnte Korridore zu vermeiden. Die Wohnung wird so zu einer räumlichen Komposition, einem häuslichen Spaziergang, der die Nutzung der verfügbaren Fläche optimiert.
Die Schlichtheit der für dieses Projekt gewählten Materialität schafft eine Form der Abstraktion der architektonischen Elemente, die es erlaubt, die einzigartigen Merkmale eines Baus aus dem 18. Jahrhundert hervorzuheben. Um diese Wirkung zu erzielen, wird jedes Detail wesentlich. Die Wände werden von veredelnden Materialien befreit, die Türen treten nicht mehr als solche in Erscheinung. Der gesamte Eingriff wird so ausgeführt, dass er den Holzarbeiten, Steinen und Gewölben als Hauptakteuren der häuslichen Szene Platz lässt.
Dieser Verzicht auf einen materiellen Ausdruck erlaubt es dem Projekt auch, sich in der Zeit fortzusetzen, durch die Möglichkeit, die es dem Einzelnen gibt, es sich leicht anzueignen. Zudem ist das Projekt um seine langfristige Wirkung in einem Bau bedacht, der sich in der Vergangenheit bewährt hat. Deshalb sind alle Trennwände leicht ausgeführt, was ihren Rückbau bei einer künftigen Sanierung vereinfacht.
Schliesslich wird das Pfarrhaus zur Gelegenheit, den Ortskern wiederzubeleben, indem ihm eine seinem Ursprung ähnliche Funktion zurückgegeben wird. Es kann von den Bewohnern von Sembrancher wieder bewohnt werden, die darin die Gelegenheit sehen, sich ihr Erbe wieder anzueignen. Die neuen Wohnungen erlauben so, das tägliche Leben im Zentrum eines traditionellen Walliser Dorfes zu überhöhen.